April 2025, der Abstieg der Düsseldorfer EG aus der DEL ist besiegelt. Das Sonderzug-Ziel für die kommende Saison hinfällig. Nichts wird es mit dem zweiten Sonderzug in den Schwarzwald. Aber wohin wird die Reise gehen? Wird es überhaupt einen Sonderzug geben in der DEL2, oder lassen wir unserem Posting vom 1. April unfreiwillig Taten folgen und stellen die Organisation von Sonderzügen ein?
Bange Wochen und Monate voller Ungewissheit sollten folgen. Der Spielplan der DEL2 wird erst im Juli ausgelost. Der Sonderzug also abhängig vom Losglück und ohne die gewohnte Vorbereitungszeit von gut einem Jahr. Das soll funktionieren? Lassen wir uns überraschen.Dass es funktioniert hat, wissen spätestens seit Karnevalssonntag nicht nur die 450 Mitfahrenden, sondern auch ganz Crimmitschau und der Rest der DEL2.
Warum ausgerechnet Crimmitschau? Warum an Karneval? Die Antworten auf diese Fragen sind recht einfach. Crimmitschau bietet Platz für 600+ x Gästefans und das einzige Sonntags-Spiel in Crimmsche, wie die Ureinwohner der Stadt der 100 Schornsteine ihr Städtchen liebevoll nennen, ist nun mal am Karnevalssonntag.
Also lange Rede, kurzer Sinn – ran an die Planung. Bei keinem bisherigen Sonderzug haben wir annähernd so viel Unterstützung und Gastfreundschaft gespürt, wie von den Eispiraten. Dafür können wir uns nicht oft genug bedanken. Vom Geschäftsführer, über den Fanbeauftragten bis hin zum Koch haben sich alle für uns ins Zeug gelegt.
Die anfänglichen Buchungszahlen haben uns optimistisch gestimmt, dass wir nach 2016 auch den zweiten Karnevals-Sonderzug voll bekommen. Schnell waren die ersten 200 Anmeldungen eingegangen. Doch plötzlich ebbte die Welle der Euphorie ab. Nach anfänglich unerwarteten sportlichen Erfolgen unserer Jungs rutsche das Team mehr und mehr ins Mittelfeld der DEL 2 ab. Zeitweise waren sogar die Playoff-Plätze gefährdet. Die Stimmung rund um unseren Herzensverein drohte zu kippen. Das haben auch wir zu spüren bekommen. Jetzt waren wir schuld am Spielplan, an den Ergebnissen und überhaupt, was soll ein Sonderzug in der zweiten Liga? Die leider genau wie in der Vergangenheit fehlende Unterstützung seitens der DEG in Sachen Social-Media-Vermarktung unseres Zuges tat ihr Übriges dazu.
Bis Mitte November haben wir hin und her überlegt, ob wir den Zug doch absagen müssen. Wir haben uns entschlossen, das Risiko einzugehen. Durch die Verkleinerung des Zuges konnten wir einen mittleren vierstelligen Betrag einsparen. Ein abgespecktes Catering und die Idee, durch Losverkauf einen Sponsor für den Zug zu finden, spülten am Ende die fehlenden Gelder in die Kasse, um den Zug ohne große Bauchschmerzen auf die Schiene zustellen.
The Irish Pub bei Fatty hat einen nicht unerheblichen Betrag beigesteuert und damit den Grundstein für eine über den Sonderzug hinausgehende Zusammenarbeit gelegt.
Ab Altweiber-Nachmittag lag der Fokus voll auf Crimmsche, hatten wir doch zuvor aufgerufen, aus dem Fanmarsch vom Bahnhof zum Sahnpark einen Karnevalsumzug mit Kamelle und Konfetti zu machen. Sogar die Presse in Westsachsen hat angefragt, was wir uns alles ausgedacht haben und hat die Einheimischen aufgerufen, am Sonntag die Jecken aus dem Rheinland zu empfangen.
Sonntagmorgen, es ist 07:18 Uhr, hier ist der Hauptbahnhof und hier wartet der Sonderzug auf einige verspätet Anreisende. Gott sei Dank sind wir nur bedingt auf die Deutsche Bahn angewiesen. Fast pünktlich ging es dann gen Osten – auch wenn einigen Fans ein jähes Ende der Tour bereits in Duisburg drohte, weil sie angeblich den Zug-Chef nicht ernst genommen hatten. Nachdem sich die Situation klären ließ, stand einer unbeschwerten Fahrt nichts mehr im Wege.
Bunt kostümiert wartete die feierwütige Gemeinde auf die Öffnung des Bar- und des Sambawagen und die Party nahm ihren Lauf. Unser inzwischen zum Inventar gehörender DJ Nebelguru hat der Meute ab 08:00 Uhr ordentlich eingeheizt und einen Karnevals-Hit nach dem anderen aufgelegt. Spätestens seit diesem Zug hat er es verdient und darf sich ab jetzt der 20-schlechteste DJ der Welt nennen.
Erste Eindrücke, was Crimmitschau erwarten wird, konnten die Besucher des Bahnhofs der ehemaligen Grenzstation Helmstedt erleben. Kamelle für Helmstedt hallte es über die Gleise, als aus den Fenstern des Sonderzuges erste Bonbons auf den Bahnsteig flogen.
Spätestens als der Zug unter dem Motto „Rod un Jäl, ejal wat kütt“ den Bahnhof Magdeburg passierte, gab es kein Halten mehr. Hatte man doch just in diesem Moment den Sonderzug der Haie nach Dresden geografisch hinter sich gelassen.
Der Empfang des pünktlich(!) eintreffenden Sonderzuges aus der rheinischen Karnevalshochburg war mehr als herzlich. Wir wurden von Jung und Alt mit Plakaten und herzlichen Willkommensgrüßen bereits am Bahnsteig begrüßt.
Auf dem Bahnhofsvorplatz gab es dann für die Geschäftsführung erst einmal einen anständigen Sonderzug-Schal und ein vernünftiges Alt. Die Polizei hat ihren Lautsprecher-Wagen kurzerhand in eine rollende Musikbox umfunktioniert und Karnevalsmusik zum Besten gegeben. Naja, ob der Kölsche Jung geplant oder ein Versehen war, ist nicht überliefert.
Am Kunsteisstadion im Sahnpark nahm uns dann tatsächlich auch noch DÜSSI standesgemäß in Empfang. Am Gästeblock gab es dann die nächste Überraschung: Erbsensuppe – wie zu Karneval auch in Düsseldorf.
Erstmal konnten wir unsere 150qm große Blockfahne auch außerhalb des PSD BANK DOME ausbreiten. An dieser Stelle noch ein Dank an die OSTKURVE, die uns unerfahrenen Choreo-Spezialisten hilfreich unter die Arme gegriffen hat.
Das Spiel ist schnell erzählt:
Es ging auf und ab, die DEG konnte die Führung der Gäste ausgleichen und danach selbst in Führung gehen. Am Ende sollten noch fünf Tore in nicht einmal zwei Minuten fallen und unsere Sonderzug-Quote konnten wir mit einem 5:3 Auswärtssieg weiter ausbauen. 12 Siege bei 15 Sonderzügen ist mal ein Statement.
Leider wurde die Stimmung nach dem Spiel durch zwei Umstände etwas getrübt. Zum einen ließ sich das Team nach dem Sieg trotz lautstarker Aufforderung erstmal bei einem Sonderzug nicht mehr auf dem Eis blicken und zum anderen gab es kurz nach Spielende einen medizinischen Notfall. Einer unserer Mitfahrer musste mit Kopfverletzungen und kurzer Bewusstlosigkeit in eine Spezialklinik nach Zwickau gebracht werden. Diese konnte er am darauffolgenden Donnerstag aber glücklicherweise wieder verlassen und bereits beim Heimspiel gegen den EV Landshut seine Jungs wieder anfeuern. Auch hier zeigte sich die extreme Gastfreundlichkeit der Eispiraten. Andreas, ein Fan der Westsachsen hat sich vom Sturz bis zur Rückfahrt am Donnerstag um unseren Michael gekümmert und uns auf dem Laufenden gehalten. Wir ziehen unseren Helm vor Dir.
Wir durften uns bis zur Abfahrt unseres Zuges noch eine Stunde nach Spielende an den Catering-Ständen stärken und im mollig warmen VIP-Raum aufwärmen – bei -6 Grad auch bitter nötig.
Auf dem Weg zurück zum Bahnhof machte die ortsansässige Polizei ihrem Namen als Freund und Helfer alle Ehre, als sie unsere Fußkranken kurzerhand verhaftete und mit ihren Einsatzfahrzeugen gemütlich und gutgelaunt zum Bahnhof transportierte.
Auf der Rückfahrt hat es unser 1. Vorsitzender geschafft, erstmals seit es FANPROJEKT-Sonderzüge gibt, zwei Stunden zu (ver-)schlafen. Ob er in dieser Zeit etwas verpasst hat, ist nicht überliefert.
Unser Karnevals-Sonderzug kam mit einiger Zeit Verspätung am frühen Rosenmontagmorgen am Hauptbahnhof in Düsseldorf an – manchmal schneit es eben im Winter auch mal in Deutschland und dann kommt es bei der Bahn (auf deren Schienennetz wir angewiesen sind) zu unvermeidlichen Verspätungen.
Während ein Teil der Feierwütigen bereits am Mittag wieder am Rande des Rosenmontagszuges gesichtet wurden, hieß es für das
ORGA-Team: auf nach Münster – Zug entladen. Der Weg nach und von Münster wieder zurück war dann mehr als doppelt so lang, wie die Zeit, die wir mit dem Entladen verbracht haben. In rekordverdächtigen 90 Minuten haben wir die beiden Partywagen wieder in ihren Urzustand versetzt. Leergut gut, Becher, sonstiges Material und das nicht verbrauchte Bier wieder auf den Lkw laden und ab nach Düsseldorf – Beine hochlegen. Wäre da nicht der Verlust unserer Banner gewesen. Die beiden im Sambawagen angebrachten FANPROJEKT-Banner waren verschwunden. Fein säuberlich von Decke und Seitenwand entfernt. Auch intensive Suche und fragen beim Zugpersonal blieben zunächst ergebnislos. Gitt sei Dank war aber Aschermittwoch für das FANPROJEKT nicht alles vorbei, denn die Banner sind plötzlich auf Ihrem Weg zur Entsorgung wieder aufgetaucht und zwischenzeitlich wohlbehalten in unseren Besitz zurückgekehrt.
Das wäre es fast vom Sonderzug 2026, wenn da nicht noch ein ganz besonderer Mitfahrer an Bord gewesen wäre. Yushiro Hirano, verletzter Topscorer unserer Rot-Gelben ließ es sich nicht nehmen, mit uns im Sonderzug mitzufahren…okay, es war zwar lediglich seine Papp-Imitation, aber das war kein Grund für die Mitfahrenden, sich nicht mit ihm an der Theke fotografieren zu lassen, oder Selfies zu machen. Lediglich bei den Autogrammwünschen musste der Papp-Yushi leider passen.
Wer noch Fotos mit Yushi aus dem Sonderzug hat, oder auch sonstige Fotos, die er/sie uns zur Verfügung stellen möchte, kann dieses über das Formular auf unserer WebSite gerne tun.
Abschließend bleibt festzuhalten, dass es mal wieder der geilste Zug aller Zeiten war, der natürlich nicht mehr zu toppen ist. Und wie jedes Jahr werden wir den Versuch in der kommenden Saison trotzdem unternehmen und man munkelt, dass wir es auf irgendeine Art auch wieder schaffen… hoffentlich.
In diesem Sinne
WIR für EUCH…ALLE für den Sonderzug




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